Gar nicht mal so schön

Ausschnitt. Bild: zvg

15. Dezember 2015

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Die Plakate der Sportstudiparty «Out 4 Fame» lassen tief blicken – auf viel Haut und ästhetisierte Rollenbilder.

Doch, es gibt ihn, den einen Donnerstagabend im Semester, an dem selbst die Sportstudis einen Schuss Hochprozentiges in ihren Proteinshake fliessen lassen! «Out 4 Fame» nennt sich die semilegendäre Party im Le Ciel, an der sich die bestaussehenden und bestgebauten Körper der Alma Mater die Ehre geben, um sich auf der Tanzfläche aneinander zu reiben oder zumindest vor der Linse des tillate-Fotografen zu räkeln. Dementsprechend präsentieren sich auch die Plakate und Flyer, mit welchen dieser Event jeweils angekündigt wird: eine Sportart als Motto – und dann vor allem braungebrannte Haut und angespannte Muskeln, beides in üppigem Masse.

Anlässlich der letzten Ausgabe radelten die Sportstudis nun durchs Le Ciel, selbstverständlich anglisiert: «Cycling Edition» nannte sich das jüngste Sportlerfest. Höchste Zeit, dem dazugehörenden Plakat einen zweiten Blick zu widmen – schliesslich gibt es keine Tiefe ohne Oberfläche.

Die Mottosportart, der gemeine Radsport, kennt eine sonderbar anmutende Tradition: die Backenküsschen der grazilen Lokalschönheiten für den Tagessieger. Eine Steilvorlage für die Freunde von «Out 4 Fame», denn wo präsentieren sich Astralkörper schöner als bei einer Siegerehrung? In bester Tour de Virilité-Manier posiert auch auf unserem Plakat ein junger Beau mit Siegerlächeln, Fahrrad und zwei Bunnys, die scheinbar ihr Glück kaum fassen können, die zarte Hand auf die Schulter des Champions legen zu dürfen.

Übrigens werden heutzutage professionelle Models als «Tour-Hostessen» engagiert, bei den grossen Rundfahrten wird ihnen der Kontakt mit den Fahrern im Arbeitsvertrag explizit verboten, bis auf das Küssen natürlich. Dass der Mann so deutlich im Mittelpunkt und Vordergrund des «Out 4 Fame»-Plakats steht, passt also ganz gut ins Radsportgenre, ist allerdings deswegen noch lange nicht nötig.

Nein, eine Studiparty muss nicht mit einem altgriechischen Zitat beworben werden. Doch beim Anblick der penetranten Billigkeit der «Out 4 Fame»-Plakate fasse ich mir, und das mag vielleicht erstaunen, nicht ans erigierte Glied, sondern an den Kopf – gerade wenn es sich um die neueste Ausgabe handelt. Auch am Institut der Sportwissenschaften dürfen sich StudentInnen die Frage stellen, wie Körperideale und Weiblichkeit – übrigens genauso auch Männlichkeit – inszeniert und dargestellt werden. War den Flyern der «Gymnastics Edition» vom März dieses Jahres wenigstens noch ein pointiert homoerotischer Touch abzugewinnen, reproduzieren die unzähligen auf dem Campus verteilten Plakate der «Cycling Edition» Geschlechterrollen, welche die Studierendengeneration doch eigentlich zu überwinden versuchen sollte.

Man stelle sich mal vor, die Sportstudiparty würde das Horizöntchen ihrer Schönheits- und Rollenideale ein wenig erweitern und mit Paralympic-Athlet-Innen werben. Oder mit einem Bilderbuchbreitensportler, dessen Männerbrust dann halt nicht laserepiliert ist. Oder einfach mal ganz ohne Bauchnabel. Auf jeden Fall freuen wir uns bereits auf die nächste Ausgabe.

Plakat Sportstudierenden-Party

Plakat “Out 4 Fame”. Bild: zvg

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