Aus dem Stahlwerk

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intimer Auftritt im Gaskessel. (Bild: Luca Hubschmied)

22. März 2017

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Am BeSTival 2017 wurde im Gaskessel nebst theatralischen Leckerbissen auch musikalisch viel geboten. Die bärner studizytig war am Konzert von Stahlwerk aus Basel.

Wer sich aufgrund des Bandnamens auf strenge und archaische Metallo-Kost eingestellt hat wird überrascht: der Stahlwerk-Auftritt im Gaskessel entpuppt sich als intimes tête-a-tête-a-tête zwischen Piano (Dominic Stahl), Bass (Francesco Rezzonico) und Drums (Tobias Schmid).

Die Eröffnung mit gedämpftem Licht und Garnschlägel auf Becken («Grund») lässt bald Wohnzimmerstimmung aufkommen und den Kessel in andächtige Ruhe treten. Da darf sich ein einsamer Basslauf nach scheinbar orientierungsloser Suche dankbar in die Arme des Pianos legen, um dieses nach einer kurzen, aber intensiven Liebkosung wieder zurückzulassen und sich im folgenden Rhythmuswechsel gleich selbst zu verlieren («Wind»). Der Stahl präsentiert sich durch das gesamte Konzert erstaunlich dehnbar: Das Trio spielt sich sorgfältig in die stahlwerksche Klangwelt und nimmt dort immer wieder neue Fährten auf, welche mal kräftiger, mal gemächlicher, verschoben, verkehrt sind. Dabei stehen die Musiker in ständiger Interaktion, bloss dem Publikum wird der Blickkontakt konsequent verwehrt: Hier experimentiert eine eingespielte Einheit, welche offenbar nicht gestört werden will.

Aus dem Rahmen fällt einzig das Stück «Reverse», welches sich zeitweise unverhohlen als Popsong präsentiert und zugleich auch die wenigen schwächeren Momente des Konzerts beinhaltet. Dem neuesten Stück des Sets hört man an, dass es die aufwändige Verjammung und Verjazzung im Bandbunker noch nicht abschliessend durchlaufen hat. Dass die Band «Reverse» trotzdem schon spielt, zeigt: Aus dem Stahlwerk wird nicht Meterware geliefert, hier wird geschlagen, geschweisst und geschliffen. Der Stahl ist bloss Material, hier geht es ums Wärche.

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