twinkle, twinkle, all the stars

Illustration: Nico Schmezer

20. Dezember 2018

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In der letzten Ausgabe der bsz regnete es Sternchen. Mehr oder weniger unauffällig rutschten sie in Wörter wie «Versicherungslobbyist*innen» oder «Freizeitrevoluzzer*innen» (gesehen im Editorial). Warum wir uns für die Sternchen entschieden haben, erklären wir in diesem Artikel.

Warum gendern?

Wahrscheinlich haben mittlerweile die meisten davon gehört, dass das generische Maskulin nicht das Gelbe vom Ei ist. Viele Studien zeigen, dass Frauen im Alltagsgebrauch nicht mitgedacht werden, wenn nur die männliche Form verwendet wird. Stattdessen immer die weibliche und männliche Form auszuschreiben oder das Binnen-I zu verwenden, wie bis anhin die bsz, ist ebenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn ein Binnen-I spiegelt nur die binären Geschlechter «Mann» und «Frau» wider. Und obwohl uns in zahlreichen Lebenssituationen eine klare Einteilung von «Mann» und «Frau» in ein binäres System eingebläut wird – beispielsweise in den Statistikvorlesungen der Uni Bern – greift diese Einteilung zu kurz (siehe Box).

Warum Sternchen?

Zahlreiche Schreibweisen versuchen, die Vielfalt der Geschlechter zu berücksichtigen. Am bekanntesten sind das Sternchen und der Unterstrich (die Reporter*innen bzw. die Reporter_innen). In der Programmiersprache steht das Sternchen für eine beliebige Anzahl an Buchstaben, während der Unterstrich einen Zwischenraum schaffen soll. Ferner gibt es zahlreiche Nischenvorschläge, beispielsweise der dynamische Unterstrich, der innerhalb eines Worts wandert (die Repor_terinnen).

Dahinter steht die Kritik am oben genannten statischen Unterstrich, dieser zementiert die Trennung zwischen der weiblichen und der männlichen Form und stellt dadurch die Binarität der Geschlechter nicht infrage. Der dynamische Unterstrich soll zum Ausdruck bringen, dass es keinen festen Ort gibt, an dem die Grenze zwischen «Mann» und «Frau» verläuft. Allerdings werden die Wörter dadurch schwerer lesbar. Eine andere Variante ist der Doppelpunkt, der die Durchlässigkeit zwischen Mann und Frau symbolisieren soll (die Reporter:innen).

Wir haben uns für das Sternchen entschieden, da es verglichen mit den Nischenvorschlägen schon relativ verbreitet ist und uns die Ästhetik des Sternchens gefiel. Die Lesbarkeit spielte, gerade im Vergleich mit dem dynamischen Unterstrich, ebenfalls eine Rolle. Ausserdem schliesst das Sternchen im Gegensatz zum Unterstrich nicht nur Leute ein, die sich zwischen «Mann» und «Frau» verorten, sondern auch Menschen, die diese Einteilung als solche für sich ablehnen und Geschlecht als soziales Konstrukt erachten. Diese Idee gefiel uns.

Was ist mit den Frauen?

Wer sich in die Tiefen des Internets vorwagt, wo gendergerechte Sprache diskutiert wird, trifft auf Skeptiker*innen. Mit der ganzen Debatte um die Sternchen, die schlussendlich einer Minderheit dienen, gehe die Sichtbarkeit der Frauen verloren, argumentieren manche. Der aufgeregten Debatte würde etwas Gelassenheit guttun. Schliesslich ist die Idee von oben genannten Schreibweisen, alle zu inkludieren, ohne neue Hierarchien zu schaffen.

Ist das wirklich wichtig?

Die Frage mag aufkommen, ob angesichts von verschiedenen Diskriminierungen im Alltag die Sprache ein dringendes Problem ist. Minderheiten sprachlich zu berücksichtigen ist wichtig, weil es deren Sichtbarkeit erhöht und ein Anfang für grundlegende Veränderungen sein kann. Noch gibt es diverse Ungleichheiten zwischen Geschlechtern, beispielsweise bezüglich Lohn oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Über die Diskussion darf nicht vergessen werden, dass in der Schweiz noch heute Kinder mit Genitalien, die nicht eindeutig als männlich oder weiblich einzuordnen sind, ohne medizinische Gründe kurz nach der Geburt operiert werden, was deren Menschenrechte verletzt.

Die Sprache allein wird es also nicht richten. Um Geschlechterrollen aufzubrechen, den Zwischen- und Aussenräumen mehr Platz zuzugestehen und Ungleichheiten zu beseitigen, braucht es mehr als ein paar Sternchen im universitären Kontext. Aber Sternchen sind zumindest ein Anfang, weil sie eine Debatte auslösen. Ausserdem zeigen sie den Sternchen unter uns, dass sie wahrgenommen werden. Also an alle Sternchen da draussen: Wir haben euch gesehen.

 

 

inter und trans

Neben Mann und Frau gibt es diverse weitere Geschlechter. Unterschieden werden die Begriffe inter (oder intergeschlechtlich, intersexuell) und trans (oder transident, transgender). Intergeschlechtliche Menschen können aufgrund von genetischen, anatomischen, hormonellen oder anderen körperlichen Merkmalen nicht klar als männlich oder weiblich eingeordnet werden. Trans-Menschen können meist nach der Geburt klar zugeordnet werden, merken allerdings früher oder später, dass diese Zuordnung für sie nicht passt. Ein Grossteil der Trans-Menschen identifiziert sich binär (eine Person wurde nach der Geburt als Mann zugeordnet, identifiziert sich aber als Frau, und umgekehrt). Manche trans-Menschen identifizieren sich als non-binär (oder nicht-binär), sind also zwischen oder ausserhalb der Kategorien «Mann» und «Frau». Nichts zu tun haben diese Begriffe mit der sexuellen Orientierung sowie mit Kunstformen wie Drag.

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