Es ruft die Doktorarbeit!

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15. Dezember 2015


Letizia Carigiet (29) aus Bern war Koordinatorin der siebten Projektrunde des Womentoring an der Uni Bern. Dabei konnte sie 21 Mentees mit Mentor­­innen des passenden Fachgebiets zusammenbringen. Sie studierte Deutsche Literatur und Editions­philologie.

Was ist Womentoring in einem Satz?

Es ist die Möglichkeit sich mit der Frage «Dissertation, ja oder nein?» auseinanderzusetzen.

Handelt es sich nicht hauptsächlich um Frauenförderung?

«Frauenförderung», das ist ein Wort, da denken viele gleich an Frauen-Übervorteilung. Doch da sind wir noch lange nicht. Es geht darum, mal auf dem gleichen Level anzukommen. Etwa die Hälfte der Doktorierenden sind Frauen, doch nach der Dissertation bleiben nicht mal 20 Prozent von ihnen in der Wissenschaft tätig.

Warum können keine Männer mitmachen?

Der Betrieb an Hochschulen orientiert sich immer noch sehr am männlichen Wissenschaftler. Oft gibt es ein rein aus Männern bestehendes Netzwerk, welches Männern den Vorzug gibt. Solche Seilschaften sind nicht unbedingt bewusst. Womentoring soll den Aufbau eines weiblichen Netzwerkes fördern, welches ein Gegengewicht dazu darstellen soll.

Was bringt es den Studentinnen mitzumachen?

Es ist vor allem der Austausch. Junge, aber doch schon erfahrenere Frauen teilen ihre Erfahrungen mit Studentinnen. Dabei geht es um Fragen, wie «Was zieht eine Dissertation alles nach sich?», «Will ich ins Ausland?» bis hin zu «Wie kann ich eine Hochschulkarriere mit der Familienplanung vereinbaren?». Durch Womentoring können sich Frauen gegenseitig bestärken und sich ihrer Rechte bewusst werden. So zum Beispiel flexible Sitzungszeiten verlangen, wenn sie Kinder haben.

Denken Masterstudentinnen schon an die Familienplanung?

Die Frage der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie ist sehr individuell und auch vom Institut abhängig. Es gibt Institute in denen die Vereinbarkeit eine Selbstverständlichkeit darstellt, da der Frauenanteil sehr hoch ist. Die Universität soll aber zu einem Platz werden, an dem es allen, egal ob Frau oder Mann möglich ist, Wissenschaft und Familie, aber auch andere Verpflichtungen und Hobbies, unter einen Hut zu bringen.

Warum hast du dich für Womentoring engagiert?

Ich will in einer Gesellschaft leben, in der alle dieselben Möglichkeiten haben, egal welchem Geschlecht sie angehören, wen sie lieben und aus welchem Land sie stammen. Viel zu sehr müssen wir heute immer noch mit Stereotypen und Rollenbildern leben, die wir hinterfragen sollten. Wir müssen neue Lebensformen und -wege ausprobieren.

Hast du dein Ziel erreicht?

Die Frauen, die mitgemacht haben, sind nun hoffentlich etwas sensibilisiert. Sie wissen, was es braucht, um nicht nur erfolgreich dissertieren, sondern sich später auch in der Wissenschaft behaupten zu können. Zum Beispiel durch ausreichend Publikationen.

 

 


Dissertation, ja oder nein?

Diese Frage stellt sich auch Ilaria Bianchi aus Ersigen, Emmental. Anfangs Master­studium kam ihr ein Womentoring- Flyer in die Hände und sie machte mit.

«Damals war der optimale ­Zeitpunkt, um teilzunehmen», so die gebürtige Italienerin. Die 24-Jährige studiert Italienisch und Französisch an der Universität Bern. Zurzeit beendet sie ihre Masterarbeit zur Interaktion von Rap-Musikern auf der Bühne sowie mit dem Publikum. Im Sommer schliesst sie das PH-Jahr zur Gymnasiallehrerin ab. Sie unterrichtet bereits Italienisch und gibt ein Tutorium in französischer Linguistik.

Ilaria überlegt sich im Bereich Interaktions­analyse weiter zu forschen und deshalb auf dem Gebiet zu doktorieren. Ihre Mentorin Anne- Danièle Gazin (33) aus Antwerpen in Belgien dissertierte in italienischer Sprachwissenschaft und arbeitete am SNF-Projekt über die Konsti­tution des Raumes in der Interaktion mit. «Bei den gemein­samen Gesprächen ging es mir vor allem darum, zu erfahren wie sich eine Diss planen lässt und man ein Konzept erarbeitet». Es habe sich gelohnt teil­zunehmen und die Workshops zu besuchen. Sie werde doktorieren, wenn sich die passende Gelegenheit ergebe. Aber, was ihre Zukunft angehe, werde sie sich auch am Unterrichten und an ihrer Leidenschaft für die Musik orientieren.

 

 

Dieser Beitrag erschien in der bärner studizytig #2 Dezember 2015

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