«Essen! Schlafen! Schreiben!»

Investion in unsere Hirne: «Synapso» – Die Fachstelle für Lernen und Gedächtnis der Uni Bern. bild: synapsoflg.unibe.ch

18. Oktober 2017

Von und

Es fehlt an Studis. Wie gelingt der Sprung vom Gymnasium an die Uni besser? Vielleicht hilft eine Banane.

Irgendwie will sie nicht mehr so recht: Die Studierendenzahl der Uni Bern. Dabei war sie doch eben noch mopsfidel. Erst 2014 schwang sie sich mit Leichtigkeit zur 17’000er Marke empor – und jetzt: Stagnation. Lausige +0.5% gegenüber dem Vorjahr. Bei Bachelor und Master gar ein Rückgang. Nur die Doktoratszahlen steigen leicht und retten ins Schwarze.

Die Berner Zeitung (BZ) weiss: Das ist ein Problem. Denn Stagnation – das ist der Stillstand vor dem Fall. Wer in die Stagnation gerät, kommt ins Straucheln. Er fängt sich eine Depression oder schlittert in eine Krise. Deshalb, bereits der Titel, ein Imperativ: «Die Uni muss um Studis buhlen». Der findige BZ-Reporter wollte es genau wissen. Er hakte nach: Was, liebe Uni, gedenkt Ihr nun zu tun?

Vizerektor Moretti gab sich auf Anfrage gewissenhaft-besorgt. Man sei sich bewusst, dass man nun «sanfte Marketinganstrengungen» vornehmen müsse, um «die Positionierung der Uni auf dem Markt der Studierenden» zu stärken. Das Hauptproblem sei ihm längst klar: Schlechte ­Maturand_Innen, die an die Uni übersiedeln. Denn wer am Gymer Mühe hatte, hat auch an der Uni Schwierigkeiten. Das wisse man von Statistiken.

Ist das Problem einmal erkannt, so ist die Lösung schnell gefunden. Die Uni weiss, wie sie trotz geburtenschwacher Jahrgänge wieder Wachstum in die Sache bringen kann: Sie muss «in die Hirne ihrer Studierenden investieren». Vor allem in die Hirne schlechter Maturand_innen. Dazu hat das Vizerektorat eine neue Fachstelle für Lernen und Gedächtnis («Synapso») gegründet, die Lerntrainings für Studierende anbietet. In ihren «unterhaltsamen» und «lehrreichen» Lernvideos werde die Fachstelle «sehr konkret». Man sieht eine Psychologin mit einer Banane in der Hand, «um Studis zu regelmässiger Verpflegung zu animieren». «Essen! Schlafen! Schreiben!», fasst die BZ das Mantra der Fachstelle zusammen. Und am Schluss des Artikels fragt sich die Zeitung erstaunt, «warum das nicht schon früher vermittelt wird».

 – Ja, warum eigentlich?

 

 

 

Dieser Beitrag erschien in der bärner studizytig #8 Oktober 2017

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