Let’s go Benefri

Benefri Statistik. Bild: Controlldienst Uni Bern

Die Uni Bern schickt weniger Studierende als die Uni Fribourg, obwohl Bern viel mehr Studierende hat als Fribourg. Die Uni Neuchâtel ist klar der Juniorpartner. Bild: Controlldienst Uni Bern

01. Juni 2016

Benefri ist ein Netzwerk zwischen den Universitäten Bern, Fribourg und Neuchâtel. Dank diesem Programm sollen die StudentInnen unkompliziert Kurse an den jeweiligen Partner­universitäten besuchen können. Die Zugfahrten werden rückerstattet. Ein Blick auf die Realität zeigt: Benefri ist ein funktionierendes Netzwerk mit ein paar Schönheitsfehlern.

Drei Master- und Bachelorstudiengänge sowie einen Minor bieten die Uni Bern und Fribourg gemeinsam an. Ein Masterstudiengang wird mit Neuchâtel angeboten. Grundlage dafür ist das Benefri-Netzwerk zwischen den Universitäten Bern, Fribourg und Neuchâtel. Das gut zwanzigjährige Programm soll die Mobilität der Studierenden, gemeinsame Studienprogramme und die Forschung zwischen den Partnerinstitutionen fördern. So der Rahmenvertrag.

Veraltete Webseite

In Realität gibt es einige Mängel. Wer sich auf der Homepage der Uni Bern über Benefri erkundigt, landet auf der Seite für Mobilität. Dort wird infomiert, dass mit dem Benefri-Programm Veranstaltungen an den zwei Partneruniversitäten besucht werden können. Genauer: «Der Austausch ist bei denjenigen Studiengebieten möglich, bei denen ein Fachabkommen besteht, und die auch im koordinierten Vorlesungsprogramm aufgeführt sind». Der Direktlink zu den Fachabkommen führt allerdings zu einer veralteten Internetseite der Uni Fribourg. Dort sind alle Fächer aufgeführt, doch einige ohne Abkommen, andere ohne Vorlesungsangaben und manche Rubriken sind überhaupt nicht verlinkt. Die Benefri-Abkommen lassen sich durch etwas Nachforschen alle in der Rechtssammlung der Uni Freiburg finden, aber manche verwirren mit vergessenen Institutsbezeichnungen und altertümlichen Datierungen.

Auf Nachfrage, ob der veraltete Link aktualisiert oder entfernt werde, antwortet die Universität Bern, beziehungsweise deren Corporate Communication, dass die Benefri-Hauptseiten von der Universität Fribourg verwaltet würden. Diese überarbeite momentan ihren gesamten Internetauftritt. Gerade im letzten Sommer sei eine neue Vereinbarung unterschrieben worden, die unter anderem als Ziel habe, die Prozesse zu vereinfachen, so die Universität Bern. Eine allgemeine Auskunftsstelle zum Benefri-Netzwerk kann die Uni aber nicht angeben.

«Benefri ist bei uns nicht mehr sehr aktuell, seit es die allgemeine Mobilität zwischen Schweizer Universitäten gibt.»

Die Variante CH-Mobilität

«Benefri ist bei uns nicht mehr sehr aktuell, seit es die allgemeine Mobilität zwischen Schweizer Universitäten gibt», sagt Thess Schönholzer, Studienleiterin des Departements Sozialwissenschaften. «Studierende mit dem Schwerpunkt Kommunikations- und Medienwissenschaft in Bern können im Bachelor Veranstaltungen in Fribourg oder anderweitig besuchen. Das tun sie vorwiegend über die Schweizer Mobilität». Kommunikations- und Medienwissenschaft gehört nebst Politikwissenschaften und Soziologie zum Departement Sozialwissenschaften.

Per Schweizer Mobilität stehen den Berner Studierenden prinzipiell alle Universitäten offen. Wer das erste Studienjahr an der Uni Bern abgeschlossen hat, kann so ein oder zwei Semester an einer anderen Uni studieren. Um die auswärts erworbenen ECTS anerkennen zulassen, sollte ein Learning Agreement abgeschlossen und Rücksprache mit der Studienberatung des jeweiligen Fachs genommen werden.

Benefri am meisten genutzt

Aus gesamtuniversitärer Sicht bleibt Benefri aktuell. Mit 368 Studierenden, die so während einem Semester in Fribourg oder Neuchâtel Vorlesungen besuchten, ist Benefri die meist genutzte Mobilität. Im Vergleich dazu: Im selben Semester absolvierten 131 Studierende ein Auslandsemester und die CH-Mobilität nutzten im vergangenen Studienjahr lediglich 17 Personen.

Beachtenswerterweise kommen bei allen Arten der Mobilität jeweils mehr Studis nach Bern, als dass Berner Studierende weg gehen. Das ist unter anderem auf das breite Fächerangebot der Uni Bern zurückzuführen. Mit dem Benefri-Programm kommen etwa gleich viele Studierende nach Bern, wie nach Fribourg und Neuchâtel gehen. Die meisten Benefri-Studierenden sind HauptfächlerInnen der Erdwissenschaften, Informatik und Betriebswirtschaftslehre, dicht gefolgt von den SlavistInnen. Diese Fächer bieten Studienprogramme, die sich auf das Netzwerk abstützen. So der Master in Computer Science, Master in Bioinformatics and Computational Biology und die Studiengänge Earth Sciences und Eastern European Studies.

«Die interdisziplinären Osteuropa-Studien mit den vier Fachbereichen sind schweizweit einzigartig; das motiviert natürlich dazu, zusammenzuarbeiten.»

Studiengang dank Zusammenspannen

«Am intensivsten ist die Zusammenarbeit zwischen den beiden Universitäten im Einführungsstudium, den dieses setzt sich aus Kursen aller vier Bereiche zusammen», erklärt Julia Richers, Professorin für Neueste Allgemeine und Osteuropäische Geschichte an der Uni Bern. Die Osteuropa-Studien Bern-Fribourg sind ein Beispiel für einen jungen Studiengang, der in Zusammenarbeit mit Fribourg entstanden ist. Er gliedert sich in vier Studienbereiche: Geschichte, Kulturwissenschaften, Politikwissenschaft und Sozialanthropologie Osteuropas. Die ersten beiden werden in Bern, letztere zwei in Fribourg angeboten. Die Studienleiterin Julia Richers koordiniert gemeinsam mit der Studienberatung der Uni Fribourg den Lehrgang. «Der Studiengang gründet sich auf dem Benefri-Netzwerk, daher werden den StudentInnen auch die Zugfahrten rückerstattet. Die interdisziplinären Osteuropa-Studien mit den vier Fachbereichen sind schweizweit einzigartig; das motiviert natürlich dazu, zusammenzuarbeiten», erklärt die Studienleiterin. Nach der gelungenen Umsetzung der gemeinsamen Lehre stehe nun die Zusammenarbeit in der Forschung an.

Studierende, die sich von verstaubten Webseiten und dezentralen Regelungen abschrecken lassen, werden ihren Studiums-Perimeter kaum über Bern hinaus erweitern. Doch bei genauem Hinschauen ist Benefri ein funktionierendes Netzwerk, das viele Studierende nutzen und worauf sich komplette Studiengänge abstützen.

Benefri – so geht es:

– Überlege dir, was du willst. Welche Veranstaltungen passen zu deinem Studienprofil? Was interessiert dich?
Wo existiert ein entsprechendes Kursangebot? U.d.m.

– Kontaktiere den Studienberater, die Studienberaterin oder die Studienleitung deines Fachs.
Falls Benefri nicht möglich sein sollte und du nur einzelne Vorlesungen besuchen willst, frage nochmals nach oder versuche ein Learning Agreement. Fahrkosten werden nur bei Benefri-Studierenden rückerstattet.

– Melde dich an, lasse deine Noten attestieren und lasse sie in dein Studienblatt eintragen.

 

 


Benefri-Studierende erzählen

Lea Emmenegger (23) studiert Archäologie und Geologie an der Uni Bern.

Lea Emmenegger. Bild: Angela Krenger

Lea Emmenegger. Bild: Angela Krenger

Was hast du an welcher anderen Uni studiert?

Ich besuchte zwei von sechs Archäometriekursen in Fribourg. Diese Kurse dauern jeweils eine Woche und Ende Semester gibt es je eine Prüfung.

Weshalb?

Naturwissenschaftliche Archäologie wird in Bern nicht angeboten.

Wie konntest du dich anmelden und die Leistungen anrechnen lassen?

Ich habe den Aushang bei uns im Institut gesehen und danach beim Institut für Geowissenschaften in Fribourg nachgefragt, ob es noch Platz hat. Nach dem Kurs erhielt ich eine Attestation und Ende Semester einen Brief mit den Noten, um sie eintragen zu lassen.

 

Leila Hostettler (22) studiert Psychologie und im Nebenfach Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Soziologie an der Uni Bern.

Leila Hostettler. Bild: Angela Krenger

Leila Hostettler. Bild: Angela Krenger

Was hast du an welcher anderen Uni studiert?

Einen Kurs der Sozialwissenschaften in Neuchâtel: Cours transversal MAPS, Les notions de culture et d’ethnicité en sciences sociales.

Weshalb?

Einen solchen Kurs gibt es in Bern nicht. Ich interessiere mich für Migration und werde in diesem Bereich noch weitere Kurse in Neuchâtel besuchen.

Wie konntest du dich anmelden und die Leistungen anrechnen lassen?

Auf der Institutsseite der Uni Neuchâtel sind alle Kurse aufgeschaltet. Dort habe ich die Veranstaltung entdeckt. Danach habe ich mit Neuchâtel und Bern ein Learning Agreement abgeschlossen. Sobald ich die Note habe, kann ich sie eintragen und anrechnen lassen.

 

Dominic Passath (23) studiert BWL an der Uni Bern.

Dominic Passath. Bild: Angela Krenger

Dominic Passath. Bild: Angela Krenger

Was hast du an welcher anderen Uni studiert?

Die beiden obligatorischen Vorlesungen Bilanzierung und strategisches Management habe ich in Fribourg absolviert.

Weshalb?

Die Veranstaltung Bilanzierung habe ich in Fribourg gemacht, da die Vorlesung dort im Gegensatz zu Bern im Frühjahrssemester angeboten wird. Die Vorlesung Strategisches Management besuchte ich in Fribourg, weil die Veranstaltung als solche einen höheren Praxisbezug aufweist. Ausserdem finde ich es toll, dass die Vorlesungen in Fribourg etwas persönlicher sind, was unter anderem mit der Anzahl Studierenden zusammenhängt.

Wie konntest du dich anmelden und die Leistungen anrechnen lassen?

Die Anmeldung erfolgt jeweils über das Semesterkontrollblatt. Um sicher zu sein, welche Leistungen anrechenbar, sprich äquivalent sind, sollte man die Studienfachberatung kontaktieren. Nach Erhalt der Note muss man ein Gesuch um Anrechnung auswärtiger Leistungen stellen, damit sie angerechnet wird.

 

 

Lorenz Stalder (28) studiert Recht im Master an der Uni Bern.

Lorenz Stalder. Bild: Angela Krenger

Lorenz Stalder. Bild: Angela Krenger

 

Was hast du an welcher anderen Uni studiert?

Ich besuchte Europäisches Verfassungsrecht, Internationaler Menschenrechtsschutz und internationales Privatrecht in Fribourg.

Weshalb?

Ich wollte eine andere Uni erleben. In Bern gibt es zum Internationalen Menschenrechtsschutz und dem internationalen Privatrecht Veranstaltungen im Rahmen von 10 ECTS. Beides interessierte mich, doch 10 Punkte mochte ich nicht machen. In Fribourg werden die entsprechenden Vorlesungen im Umfang von 5 ECTS angeboten.

Wie konntest du dich anmelden und die Leistungen anrechnen lassen?

Wenn ich mich richtig erinnere, musste ich ein Formular ausfüllen und an die Koordinationsstelle der Uni Bern schicken. In diesem habe ich angegeben, an welche Uni ich gehen will. Danach habe ich die Unterlagen und Zugangsdaten von der Uni Fribourg erhalten. Es war sehr simpel und unkompliziert.

 

 

Dieser Beitrag erschien in der bärner studizytig #4 Juni 2016

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