Mehr Bildung, Mehr Zukunft!

Sicht Hauptgebäude Uni Bern. Bild: Angela Krenger

Bildungspolitik mit Weitblick. Foto: Sicht vom Hauptgebäude Uni Bern. Bild: Angela Krenger

01. Juni 2016

Von

Als Reaktion auf die Motion Augstburger (SVP) formierte sich letzten Herbst die Berner Bildungs­koalition BBK. Sie will ein Netzwerk schaffen, das rasch mobilisiert werden kann, um Sparmass­nahmen und eine Verwirtschaftlichung der Bildung zu bekämpfen. Die SUB-Vorständin und Co-Präsidentin der Koalition Carole Klopfstein über die BBK.

Die Motion Augstburger wurde in der März-Session im Grossen Rat zurückgezogen. Letzten Herbst schlug Ueli Augstburger (SVP) darin vor, dass der Eintritt ans Gymnasium erschwert und der Zugang zu Geistes- und Sozialwissenschaften an der Universität beschränkt werden solle. Denn «Wirtschaft und Gesellschaft brauchen nicht Zehntausende von Psychologen, Ethnologen, Soziologen und dergleichen», so der Grossrat.

Grund für den Rückzug ist nicht zuletzt die darauffolgende Antwort der Erziehungsdirektion, welche die Ökonomisierung des Hochschulsystems und deren Auswirkungen scharf kritisierte. Mit der zurückgezogenen Motion Augstburger hat sich die Gefahr erst einmal gelegt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass bei der kommenden Budgetdiskussion im Oktober Sparmassnahmen im Bereich der Erziehungsdirektion folgen werden. Denn der finanzielle Druck auf den Kanton Bern ist gross. «Üblicherweise wird der Rotstift erst einmal im Bildungsbereich angesetzt, und das wollen wir unbedingt verhindern», sagt Tamara Funiciello, Vertreterin für die JUSO und BBK Gründungsmitglied.

Die Koalition befindet sich im Wachstum. Bisher besteht sie aus Mitgliedern des StudentInnenrates, der JUSO, der Vereinigung der Studierenden PHBern, der Mittelbauvereinigung der Universität Bern sowie VertreterInnen für die Gymnasiasten und Gymnasiastinnen. Des Weiteren hat sich auch Bildung Bern an der Ausarbeitung des Positionspapiers beteiligt. Die BBK nimmt alle auf, die sich für eine starke Bildung interessieren, auch Studentinnen und Studenten.

 

«Üblicherweise wird der Rotstift erst einmal im Bildungsbereich angesetzt, und das wollen wir unbedingt verhindern.»

 

Die Koalition ist überzeugt: Bildung ist ein wertvolles Gut. Sie macht Menschen zu selbstständig denkenden Wesen und schafft die Grundlage für eine funktionierende Demokratie, indem sie nicht zuletzt das Partizipieren an gesellschaftlichen Prozessen erleichtert. Durch Bildung entwickeln wir einen Grossteil unserer Fähigkeiten und sichern uns damit unseren Lebensstandard. Die BBK setzt sich für die Erhaltung und Verbesserung des jetzigen Bildungsstandards ein und wehrt sich gegen eine einseitige Orientierung an wirtschaftlichen Interessen.

Entsprechend positioniert sich die BBK in ihrem kürzlich fertiggestellten Positionspapier. Es soll die Hauptanliegen der beteiligen Parteien bündeln. Für die Mitglieder ist wichtig, dass sich ihre Zielsetzungen nicht nur auf eine Ebene beschränken. «Wir versuchen möglichst alle Bildungsebenen zu vertreten», so Jeremy Trottmann, Co-Präsident der Koalition. «Dazu gehören nicht nur die Hochschulen, sondern auch die Gymnasien, die Volksschule oder die weitergehende Berufsbildung. Bildung soll jederzeit für alle zugänglich sein und das nicht nur auf der Ebene der Volksschule». So sollen alle Glieder der Gesellschaft gestärkt und die Chance, dass jemand durch das soziale Netz fällt, minimiert werden.

Die BBK hat sich zum Ziel gesetzt, die privatwirtschaftlichen Einflüsse auf die Ausgestaltung der Berner Bildungslandschaft zu stoppen. Sie ist überzeugt, dass es unsinnig ist, wenn gewisse Bereiche als wirtschaftlich wichtig und andere als wirtschaftlich unwichtig betitelt werden. Die freie Wahl und Chancengleichheit garantiert der Gesellschaft, dass jedes Individuum seine Fähigkeiten optimal ausnutzen kann. Ob ein Fach, Studien- oder Ausbildungsgang sinnvoll ist, entscheidet nicht deren vermeintliche Wirtschaftlichkeit. Wenn sich Menschen selber verwirklichen können, liefern sie den besten Output, sowohl in sozialer wie auch in ökonomischer Hinsicht.

Die BBK fordert unter anderem ein breites und vielfältiges Bildungsangebot, den Abbau von Hürden insbesondere beim Zugang zum Hochschulstudium und der vertiefenden Weiterbildung, aber auch die Förderung von lernschwachen Schülerinnen und Schülern sowie dem Lehrpersonal. «Für ein funktionierendes System müssen alle Beteiligten einbezogen werden. Uns war es deshalb wichtig, entsprechende Fachpersonen in die Ausarbeitung der Ziele und Forderungen mit einzubeziehen. So haben wir beispielsweise auch BerufslehrerInnen wie auch die LehrerInnen der Volksschulen angefragt», sagt Julian Sonderegger, SUB-Vorstand und Gründungsmitglied der BBK.

 

«Die Folgen von Budget­streichungen können ins­besondere in der Bildung verheerende Folgen haben und werden vor allem den kommenden Generation schaden.»

 

Die Bildungskoalition soll in erster Linie ein Netzwerk schaffen, das bei Bedarf alle Kräfte vereinen kann. Die verschiedenen Parteien aus allen Ebenen der Bildung sollen zusammengebracht und der gegenseitige Austausch gefördert werden. Zudem beobachtet und diskutiert die Koalition die aktuellen bildungspolitischen Themen im Grossen Rat sowie eventuelle Vorstösse. Im Falle von weiteren Spar- und Kürzungsmassnahmen können alle teilnehmenden Parteien rasch informiert und einberufen werden, was wiederum eine schnelle Reaktion auf die möglichen kantonalen Veränderungen ermöglicht.

Aktuell plant die Koalition einen Aktionstag zum Thema Sparmassnahmen in der Bildung. Wann und wo genau dieser stattfindet, ist noch in Abklärung und hängt auch von neu dazukommenden Mitgliedern ab. «Die Folgen von Budgetstreichungen können insbesondere in der Bildung verheerende Folgen haben und werden vor allem den kommenden Generation schaden. Das müssen wir den Leuten unbedingt klarmachen!», so Jeremy Trottman.

 

Carole Klopfstein. Bild: Angela Krenger

Carole Klopfstein ist SUB-Vorständin und Co-Präsidentin der BBK. Sie ist 24, wohnt in Bern und studiert Sozialwissenschaften. Zurzeit schreibt sie an ihrer Bachelorarbeit und strebt einen Master in Politikwissenschaften an. Bild: Angela Krenger

Wenn Du dich für die Arbeit der BBK interessierst, wende dich direkt an die verantwortliche SUB-Vorständin Carole Klopfstein, carole.klopfstein@sub.unibe.ch

 

Dieser Beitrag erschien in der bärner studizytig #4 Juni 2016

Die SUB-Seiten behandeln unipolitische Brisanz, informieren über die Aktivitäten der StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) und befassen sich mit dem Unialltag. Für Fragen, Lob und Kritik zu den SUB-Seiten: redaktion@sub.unibe.ch

Die Redaktion der SUB-Seiten ist von der Redaktion der bärner studizytig unabhängig

 

Hinterlasse einen Kommentar


wpDiscuz