Mein Name, meine Identität!

Bild: Chiara Herold

und 18. Oktober 2017

Wer sein Geschlecht anpasst, wechselt oft auch den Namen. Doch die Uni-Administration zögert, diese Änderungen zu akzeptieren. Für manche hat dies unangenehme Folgen.

Was bedeutet es für deinen Alltag, wenn du als «Frau» aufwächst, aber eigentlich nie eine warst? Wenn das bei Geburt zugeordnete Geschlecht nicht deiner eigenen Identität entspricht? Für Studierende an der Uni Bern erforderte diese Tatsache bislang vor allem eines: Geduld – und Mut. Denn bis jetzt anerkennt die Uni-Administration Namensanpassungen von Transmenschen nur zögerlich – wodurch eine Lawine von Problemen ausgelöst wird. Die dringendsten erläutert Sascha (Name geändert) für diesen Artikel.

«Bei jeder einzelnen Veranstaltung müssen die Dozierenden informiert werden, dass mein alter Name auf der Teilnehmerliste in ILIAS erscheint, ich aber trans bin und anders heisse. Manchmal vergessen sie es wieder oder mein alter Name landet trotzdem auf der Anwesenheitsliste, weil diese häufig direkt von ILIAS übernommen wird. Das ist demütigend. Mein alter Name geht niemanden etwas an und ist irrelevant für meine Kommiliton_innen.»
Hohe Hürden an der Uni Bern

Manche fragen sich jetzt, warum Menschen wie Sascha nicht einfach eine neue Legi mit dem von ihnen gewünschten Namen ausgestellt wird. «Die Uni Bern setzt die amtliche Namensänderung als zwingend voraus für die Anpassung der Dokumente», erklärt Alecs Recher, Jurist und Gründer von Transgender Network Switzerland. Die Voraussetzungen der amtlichen Namensänderung und Geschlechtseintragsanpassung bestimmt jeder Kanton selber. Sie können von einer Hormoneinnahme bis zu einer ärztlichen Bestätigung, dass man trans* ist, reichen. Vom Einreichen des Gesuches bis zum Entscheid verstreichen mehrere Monate, auch kostet die Änderung um die 300 Franken. Eine hohe Hürde also für die rund 85 Transmenschen an der Uni Bern, um an eine neue, passende Legi zu gelangen.

«Die Uni-Mailadresse mit dem alten Vornamen ist ein grosses Problem. Sie erscheint in Gruppenmails an ganze Kurse, womit ihn alle Kommiliton_innen sehen können. Sie ist praktisch unbenutzbar, um Mails zu versenden. Ist es trotzdem nötig, ist das mit psychischem Stress verbunden.»

Anders ist die Situation an den Unis in Zürich und Luzern. Letztere ermöglicht bereits seit fünf Jahren auch Transmenschen ohne amtliche Namensänderung, den neuen Namen auf Uni-Dokumenten zu übernehmen. Ein Formular genügt: Wenig Bürokratie für eine solch wichtige Angelegenheit. Eine ähnliche Lösung möchte die SUB an der Uni Bern einführen. Gemeinsam mit anderen Interessensgruppen fordert sie, dass die Unileitung Leitlinien erstellt, wie Transmenschen Vornamen und Personenstand ändern können. Im Moment klärt die Uni ab, inwiefern Möglichkeiten dazu bestehen. Wie lange es bis zum Entscheid dauert, ist nicht bekannt.

«Muss ich mich für Uni-externe Dienste, zum Beispiel Datenbanken, die man für Arbeiten braucht, mit der Legi identifizieren, gibt es immer Probleme und ich muss mich erklären.»
Eine grosse Belastung

Mit der Bundesverfassung im Hinterkopf, wundert sich Jurist Alecs Recher, dass die Uni Bern die studierenden Transmenschen noch immer warten lässt: «Laut Verfassung muss der Staat Menschen in ihrer Geschlechtsidentität achten und darf die Transidentität nicht offenlegen. Die Uni als staatliche Organisation hat also die Pflicht, Transmenschen durch angepasste Dokumente zu schützen.» Er habe gemerkt, dass oft das Verständnis für die Tragweite des Namens bei Transmenschen fehle. Auch an der Universität Luzern, wo er mit den Zuständigen in Kontakt war, hätte zuerst ein Bewusstsein für die Probleme geschaffen werden müssen. Recher weist darauf hin, dass für manche Transmenschen ohne die Namensanpassung ein Studium an der Uni fast nicht möglich sei, zu gross wäre die Belastung. «Das Wohlbefinden und die Chancengleichheit aller Studierenden sollten für die Uni zentral sein», so sein Fazit.

«Mit dem Campus-Account kann man sich das Office 365 gratis herunterladen. Das ist super, denn das Programm ist teuer. Das Programm wird allerdings mit dem Immatrikulationsnamen unabänderlich gekennzeichnet. Dieser hängt an allen Dokumenten, die damit erstellt werden. Das macht es sehr unangenehm, damit zu arbeiten, geschweige denn, damit erstellte Dokumente zu verschicken.»

Pia Portmann, Vorstandsmitglied der SUB und verantwortliche Person für Gleichstellung sieht das genauso: «Es ist die Aufgabe einer Studierendenvertretung, sich mit Anliegen zu befassen, welche die Mehrheit, aber auch die Minderheiten betrifft.» Keiner Minorität soll das Studium verwehrt bleiben. Auch sei bei einer ganzheitlichen Bildung das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Minoritäten genauso entscheidend, wie das studienspezifische Fachwissen. Deshalb bemühe sich die SUB, die Lebensrealitäten aller Studierenden zu unterstützen und sichtbar zu machen. Bist du trans* und möchtest an der Uni deinen richtigen Namen verwenden? Tipps und Beratung findest du auf der SUB Webseite!

 

 

Dieser Beitrag erschien in der bärner studizytig #8 Oktober 2017

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옐레나
7. November 2017 18:03

Ich kann die Ansprüche verstehen, aber ich denke nicht, dass man Spezialregeln nur für Transgenderpersonen einführen sollte. Die amtliche Namensänderung wird verlangt, aber dies wird auch für alle anderen Menschen verlangt. Jemand will seinen Namen ändern: Ok aber nur mit amtlicher Bestätigung, denn es gelten für alle die selben Regeln. Ich glaube es gibt viele Personen mit verschiedenen Problemen, welche auch ohne Sonderregeln damit umzugehen haben. Natürlich können gewisse Situationen unangenehm sein, jedoch haben alle Menschen solche Probleme und dann wäre es ja Diskriminierung, wenn man nicht für jedermanns Wohlergehen in allen möglichen Situationen sorgen würde. Ausserdem wage ich es… Zeig mir mehr! »

Kim Dominique Andrea
2. November 2017 16:59

Spannender Beitrag. Jetzt sind rasche und pragmatische Lösungen von Seiten der Uni-Leitung gefordert!

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