Heisere Stimmen zum Studienbeginn

«Studieren hat etwas mit Lesen zu tun», Generalsekretär Pappa erklärt den Studienanfänger_innen den Weg zur Bibliothek. bild: universität bern

15. Oktober 2018

Volle Hörsäle und Absperrbänder: Am Tag des Studienbeginns stösst die Uni Bern an ihre Grenzen. Und droht auch mal mit Sanktionen.

Zum Glück war da dieser Lutschbonbon. Kurz vor dem fünften Durchgang seiner Begrüssungsrede hätte sich die Stimme von SUB-Vorstand Sebastian Funke beinahe verabschiedet, und dann wären die in der Aula versammelten Studienanfänger_innen zwar in den Genuss der Dreisprachigkeit von Rektor Christian Leumann gekommen, sie hätten Antworten auf die Fragen «Wo ist Uni?» und «Wie geht Uni?» von Generalsekretär Christoph Pappa gekriegt, doch die Frage «Wie geht SUB?» wäre unbeantwortet geblieben.

In Zürich begrüsst der Rektor die Studienanfänger_innen längst per Videobotschaft, hier in Bern sucht man das Persönliche im Unpersönlichen und setzt weiterhin auf die zentrale Begrüssung von rund 2’500 Personen im Hauptgebäude. Dies bedeutet: Heisere Stimmen, Absperrungen zur besseren Kontrolle des Personenflusses und kistenweise Werbe-Shirts, Schreibblöcke, Sandwiches. In Ermangelung eines grösseren Raums an zentraler Lage findet die Begrüssungsveranstaltung fünfmal in Folge in der Aula statt.

Die Organisation sei eine «Herausforderung», heisst es in einem Schreiben, das den universitären Gruppierungen im Vorfeld verschickt wurde. Bewältigt wird diese Herausforderung zuweilen auch mit der Androhung von Sanktionen: «Sollte sich jemand veranlasst sehen, die Rahmenbedingungen nicht einhalten zu wollen», schreiben SUB und Unileitung den Gruppierungen, «wird dies als Störung gewertet, sofort beseitigt und sanktioniert».

Ein bisschen scheint es an diesem Tag, als präsentiere sich die Universität Bern bereits zum Studienbeginn in ihrer ganzen Dialektik.

Die «Rahmenbedingungen» wurden in den vergangenen Jahren insbesondere beim Alkoholausschank verschärft. Seit eine Studierendenverbindung vor zwei Jahren mit einer mobilen Bar beim Hauptgebäude vorfuhr, befinden sich die Burschenschaften in einer Art Abwehrkampf gegen eine aufgeschreckte Unileitung: Als Reaktion auf den erhöhten Alkoholkonsum verbot die Unileitung letztes Jahr den Alkoholausschank im Aussenbereich, dieses Jahr wollte man den Alkoholkonsum gänzlich unterbinden, schliesslich wurde immerhin der «massvolle Eigenkonsum» der Gruppierungen erlaubt, was sich im Foyer der UniS, wo die knapp 50 Uni-Gruppierungen mit Info-Ständen um Neumitglieder werben, in teilweise ungleichen Alkoholpegeln von Standbetreiber_innen und Studienanfänger_innen äussert.

Ein bisschen scheint es an diesem Tag, als präsentiere sich die Universität Bern bereits zum Studienbeginn in ihrer ganzen Dialektik: Als Massenuniversität mit familiärem Anstrich, superfreundlich und trotzdem ein wenig autoritär. Oder, um es in den Worten der ehemaligen SUB-Vorständin Carole Klopfstein zusammenzufassen: «Die Uni Bern ist solid, aber nicht herausragend.» In diesem Sinne: Wir wünschen ein solides Semester!

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Dieser Text erschien in der bärner studizytig #13 Oktober 2018

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