Wenn die Gebühren steigen

Studierendenprotest vor dem Freiburger Rathaus. bild: joas perozzi

und 16. Dezember 2017

Gleich an mehreren Schweizer Unis droht eine Erhöhung der Studiengebühren. Doch die Studierenden wehren sich. Eine Übersicht.

Freiburg: Protestierende fordern mehr Demokratie an der Uni

Es war ein bunter Haufen, der sich Anfang November im Innenhof des Freiburger Miséricorde versammelte und dann Richtung Rathaus loszog. Etwa 600 Studierende, Dozierende und einige Professor_innen trafen sich, um gegen die geplante Studiengebührenerhöhung und die Einführung einer Gebühr für Doktorierende zu protestieren. Die Botschaft war deutlich: «Nein zur Erhöhung» und «Kein Geld mehr für Gebühren» stand auf ihren Schildern geschrieben.

Für die Studierenden geht es um Mehrausgaben von 400 Franken pro Jahr, Doktorierende sollen in Zukunft 360 Franken «Einschreibegebühr» verrichten. Das Rektorat begründet den Entscheid mit Mehrausgaben im Lehrbereich. Mit dem zusätzlichen Geld sollen neue Dozierende angestellt werden oder Dienstleistungen wie ein Career Center ermöglicht werden.

Nebst dem Entscheid kritisieren die Organisatorinnen der Proteste das «autokratische» Vorgehen des Rektorats. Dieses habe die Studierenden vor vollendete Tatsachen gestellt, statt sie in den Entscheidungsprozess miteinzubeziehen, schreibt das Kollektiv «Stop la Hausse», welches die bisherigen Aktionen mitorganisiert hat. Die Gruppe fordert mehr studentische Mitsprache an der Universität.

Ob die Proteste erfolgreich sind, zeigt sich in den nächsten Wochen. Dann wird das Freiburger Kantonsparlament über die Vorlage entscheiden. Bis dahin wollen die Freiburger Studierenden noch einmal kräftig Druck machen. «Ich bin zuversichtlich», meint ein Mitglied des Kollektivs gegenüber der Redaktion: «für die nächsten Wochen sind noch mehrere Protestaktionen geplant».

Studierende machen Dampf: Demonstration gegen die Studiengebührenerhöhung in Freiburg. bild: joas perozzi

 

Basel: Studis setzen auf Solidarität aller Uni-Angestellten

Die Universität Basel muss sparen. Der Grund dafür ist, dass die beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland ihre Beiträge um mindestens 42 Millionen kürzen wollen. Noch unklar ist, wo wie viel gespart wird: bei der Erneuerung von Professuren, den Assistenzstellen oder der Einstellung von administrativem Personal. Und, ob eine Erhöhung der Studiengebühren ansteht: Es wäre die zweite Gebührenerhöhung innert fünf Jahren.

Ende Oktober hat eine Gruppe Studierender begonnen, Vollversammlungen zu organisieren. Sie befürchten, dass mit den Sparmassnahmen die Qualität der universitären Bildung sinkt. «Es ist beispielsweise damit zu rechnen, dass mehr günstige und befristete Assistenzstellen anstelle von unbefristeten Professuren geschaffen werden», sagt Mitorganisatorin Anthea Nauer. Dies erschwere eine Kontinuität im Lehrangebot, zudem führten solche Massnahmen zu mehr Stress bei den Dozierenden.

Am diesjährigen Dies Academicus führten die Studierenden eine erste Protestaktion durch: einen symbolischen «Trauerzug zum Tod der Universität». Rund 300 in Schwarz gekleidete Studierende versammelten sich bei der Basler Martinskirche, um sich «in getragener Trauer» der offiziellen Prozession der Professorinnen und sonstigen Honoratoren anzuschliessen. «Bildung statt Abbau» stand auf ihren Transparenten geschrieben.

Nach der Demonstration wurde spontan eine Vollversammlung einberufen. Beschlossen wurde eine Aktion während der nächsten Uniratssitzung sowie während der Budget-Debatte der basellandschaftlichen Kantonsregierung. Die Studierenden hoffen nun auf Solidarität und Engagement über die akademischen Hierarchien hinweg. Denn von den geplanten Kürzungen werden auch die Angestellten der Universität betroffen sein.

Der Dies Academicus als Trauerzug: Protest an der Uni Basel. bild: zvg

 

ETHs Zürich und Lausanne: Einige wünschen sich entschlossenen Kampf

Die stärkste Gebührenerhöhung ist an den ETHs Zürich und Lausanne geplant. Im September teilte die ETH-Leitung mit, dass ihre Studierenden jährlich 500 Franken mehr bezahlen sollen. Begründet wird der Entscheid mit der Zunahme von Studierenden – und den damit verbundenen Mehrausgaben in der Lehre.

Beim Zürcher Studierendenverband VSETH stösst dieser Schritt auf Unverständnis. Man habe keine konkreten Kosten gefunden, welche die zusätzlichen Gebühren rechtfertigen würden, schreibt der VSETH in einer Medienmitteilung. Die Erhöhung sei der falsche Schritt, da damit der Zugang zum ETH-Studium noch stärker vom Portemonnaie abhängig gemacht werde. Zudem seien die Studiengebühren fürs ETH-Budget vernachlässigbar: «Die Erhöhung hat keinen nennenswerten Einfluss auf die finanzielle Situation des ETH-Bereichs.»

Um auf die Gebührenerhöhung aufmerksam zu machen, haben die Studierendenverbände der beiden ETHs ein Informationsvideo gedreht und eine Befragung der Studierenden eingeleitet. Zudem fand eine Podiumsdiskussion statt. «Wir befinden uns in der Meinungsbildungsphase», heisst es von Seiten VSETH. Danach versuche man, mit einer Vernehmlassungsantwort Einfluss auf den Entscheid zu nehmen.

Einigen Studierenden geht dieses Vorgehen zu wenig weit. «Der VSETH geht zu zaghaft vor», heisst es bei der Studieren dengruppe «Bildung ohne Hürden», welche sich ebenfalls gegen die Erhöhung einsetzt: «Das Wichtigste ist, dass wir als Studierende Druck auf die ETH-Leitung aufbauen. Meinungsumfragen und Podiumsdiskussionen sind da zu wenig.» Die Gruppe ist deshalb ebenfalls aktiv geworden und hat eine Petition lanciert, welche bereits von 250 Personen unterzeichnet wurde. In der Vergangenheit hätten geplante Gebührenerhöhungen in Zürich wie auch an anderen Schweizer Hochschulen durch Proteste aufgehalten oder abgeschwächt werden können. Dies müsse auch jetzt das Ziel sein.

Protestaktion der Gruppe «Bildung ohne Hürden» beim Haupteingang der ETH Zürich. bild: zvg

 

Auch in Bern droht eine Erhöhung der Studiengebühren (wir berichteten). Betroffen wären alle „Bildungsausländer_innen“ – also alle Studierenden mit einer ausländischen Matura. Die SUB kritisiert die geplante Massnahme. Mehr dazu: www.sub.unibe.ch

 

Dieser Beitrag erschien in der bärner studizytig #10 Dezember 2017

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