Menhir – wo die Zeit stillsteht

Der Gewölbekeller, in dem der Menhir in seiner 3. Verkörperung existierte.

16. Mai 2019

Seit über dreissig Jahren gibt es ihn, den Menhir, immer irgendwo rund um Zytglogge und Kramgasse, momentan in seiner vierten Verkörperung. Immer wieder hat er sich verändert und blieb dabei seiner Eigenart treu: schwer in Worte zu fassen, etwas mysteriös und auf alle Fälle einzigartig. Besuche an einem Ort, an dem die Zeit stillsteht.

Unscheinbar und doch augenfällig hängt ein Schild in den Berner Lauben, an bestem Geschäftsstandort in der Kramgasse, direkt hinter der Leuchtanzeige vom Burger-Restaurant «The Beef»: «Menhir: Wirkstätte für das Alte Wissen» steht da in verspielten Lettern auf goldenem Untergrund. Wer dem Schild folgt – aus Neugierde, wie wir, oder mit mehr oder minder klaren Zielen, wie viele andere, trifft auf einen mit zusätzlichen Aufschriften versehenen und durch hohe, golden bemalte Haselruten gezierten Eingang, der den Weg freimacht in eine Art Kellergeschoss. Nicht eines der schmucken Gewölbegeschosse wie mensch sie kennt von der Kramgasse, sondern einfach ein weiss getünchtes, fensterloses Kellerzimmer mit kaltem Marmorboden. Einige Holzschemel sind da kreisförmig arrangiert, Kissen und Decken stapeln sich in der einen und Plüschtiere in einer anderen Ecke. An der Wand hängt eine halb befestigte, halb lose herunterhängende Schweizer Flagge und der hintere Teil des Raumes ist mit gemusterten Stoffbahnen abgetrennt. Provisorisch wirkende Kartonschachteln voller loser Papierdokumente stehen in der Raummitte und lassen ein grosses, unglaublich alt aussehendes Buch, das da aufgeschlagen und von Kerzen, kleinen Steinen und anderen wundersamen Utensilien umgeben am Boden liegt, umso sorgfältiger drapiert erscheinen. Weitere Steine, Bücher, Kerzen, Schneckenhäuser und Mistelzweige finden sich daneben, an der Wand lehnen gerahmte Schwarzweiss-Fotografien, schwer zu sagen, ob ausgestellt oder provisorisch deponiert.

Ich erinnere mich, bei meinem früheren Besuch im Gewölbekeller auf die Frage, was das hier sei, die Antwort «das versuchen wir selbst seit dreissig Jahren herauszufinden» erhalten zu haben.

Der Menhir, wie ich ihn von einem früheren Besuch in Erinnerung habe – eine überwältigende Sammlung von Büchern in einem mächtigen alten Gewölbekeller, zwei Türen weiter an der Kramgasse 72 – scheint also umgezogen und ziemlich geschrumpft zu sein. Angereist um eben erwähnte Büchersammlung anzutreffen, sind wir umso neugieriger zu erfahren, was es mit diesem Ort auf sich hat.Wir haben Glück und treffen auf Dirk, den ich als «Bibliothekar» der alten Büchersammlung wiedererkenne. Freundlich werden wir begrüsst von dem hageren, grossgewachsenen Mann mit langem grauen Haar und wallenden Gewändern, der in ein Gespräch vertieft auf einem der Holzschemel gesessen hatte. Seine Gesprächspartnerin stellt sich als Barbara vor. Es wird uns frischer Olong-Tee aus verzierten Schälchen angeboten.

Als ich frage, wo denn all die Bücher seien, mit denen ich den Menhir in Zusammenhang gebracht hatte, antwortet Dirk, sie seien alle hier, wenn auch vielleicht nicht auf den ersten Blick sichtbar. Ich erinnere mich, bei meinem früheren Besuch im Gewölbekeller auf die Frage, was das hier sei, die Antwort «das versuchen wir selbst seit dreissig Jahren herauszufinden» erhalten zu haben; und als wir uns schliesslich in einer längeren Diskussion darüber verlieren, ob es denn überhaupt möglich und, falls möglich, wünschenswert sei, in Worte zu fassen, was denn dieser Menhir, diese Wirkstätte für das Alte Wissen überhaupt ist, wird uns schnell bewusst, dass für dieses Vorhaben mehr als nur ein Besuch vonnöten ist. Also kommen wir wieder, treffen verschiedenste Menschen, zufällig oder verabredet, und führen Gespräche, meist stundenlang und intensiv, bis sich uns allmählich ein Bild auftut, was der Menhir tatsächlich alles war und ist: Buchhandlung und -antiquariat, Netzwerk, dezentralisierte Bibliothek, Raum für Begegnungen und Austausch, Herausforderung an die Konsumgesellschaft, Forschungsstätte, Leidenschaft und Lebenswerk.

Von der Buchhandlung zur Wirkstätte

Die Anfänge des Menhir gehen, so erzählt uns Dirk, auf den April 1988 zurück. Am Zibelegässli 16, in einem Raum, der möglicherweise einmal Michael Bakunin als Wohnung gedient haben soll, eröffnete er ein Geschäft mit dem Namen «Menhir: Buchantiquariat und Buchhandlung». Während fünf Jahren wurden dort sowohl lieferbare als auch vergriffene Bücher angeschafft, ausgestellt und verkauft. Deren Inhalte drehten sich je länger je mehr um das «Alte Wissen» – um zu verstehen, was das umfasst, brauchen wir noch einige zusätzliche Tassen Tee. Vorerst hören wir nur Fragmente aus Gesprächen heraus; so fallen etwa Begriffe wie Geomantie, Magie, Theosophie und Symbolik, aber auch Kulturgeschichte, Philosophie oder Anarchismus.

Es folgte ein Umzug in die Kramgasse. Der Bücherbestand wuchs stetig und der Platz wurde knapp. Schliesslich wurde durch eine glückliche Fügung der geräumige Gewölbekeller an der Kramgasse 72 frei, wo sich der Menhir zu günstigen Konditionen einmieten konnte und fortan während 15 Jahren in «seiner dritten Verkörperung» existierte. Es war auch jener Gewölbekeller, in dem sich die Buchhandlung allmählich zur Wirkstätte für das Alte Wissen transformierte, in der Bücher weder zu kaufen noch auszuleihen, sondern an Ort zu konsultieren, zu kopieren oder allenfalls zu «hüten» sind. Lange schon sei das Bewusstsein dagewesen, dass der Verkauf von Büchern nur in den allerwenigsten Fällen dazu führte, dass diese von den Käufer*innen auch tatsächlich gelesen wurden.

Seit 15 Jahren existiert der Menhir in seiner dritten Verkörperung.

Es sei ein unter Buchhändler*innen allgemein bekanntes Phänomen, dass Menschen Bücher kaufen würden, nur um sie dann in ein Regal zu stellen und nie mehr anzufassen. Ausserdem habe die immer grösser werdende Sammlung von Büchern, die sich entlang der Wände des Gewölbekellers stapelten, die Menschen überfordert. Da ihnen das Geld fehlte, alles zu kaufen, das sie interessierte, fühlten sie sich von der Auswahl an höchst spezifischer Literatur erschlagen und gingen entweder mit leeren Händen, im Glauben, das Falsche gekauft zu haben oder «heilsam verwirrt».

Allmählich wuchs also die Überzeugung, so Dirk, dass die Tage des Menhir in Form einer (mehr oder minder) konventionellen Buchhandlung gezählt seien. Zusammen mit seinen engen Mitarbeitenden beschloss er, den Schritt ins Ungewisse zu wagen und fortan «ohne Geld» zu funktionieren. Wie das genau funktionieren sollte, wusste niemand – klar war nur, dass im Menhir von nun an keine Bücher mehr gegen Entgelt zu erwerben waren. Das Wort «Buchhandlung» auf dem Ladenschild wurde mit roter Farbe durchgestrichen, und bald folgte die Umbenennung in Wirkstätte für das Alte Wissen. Wer sich hier für ein Thema interessiert, wird eine einzigartige Sammlung an Literatur dazu finden, die allen zu jeder Zeit zur Verfügung steht.

Ein Menhir bei Grandson; die Monolithen bildeten die Inspiration für die Benennung der Wirkstätte.

Der nichtmonetäre Gegenentwurf

Seit über zwölf Jahren wurde im Menhir kein Buch mehr verkauft. Einzige Einnahmequelle ist seither eine goldene Schale, die von jenen mit einem Beitrag aus Geld, Naturalien oder anderen Dingen gespeist werden kann, die den Menhir eine gute Sache finden, solange sie es nicht als Gegenleistung für ein Buch – oder sonst irgendetwas – tun. Es seien ganz wenige Menschen, die seither den Menhir aus Interesse an seinem Weiterbestehen mit kleineren oder grösseren finanziellen Beiträgen unterstützt hätten.

Seit seinen Anfängen hänge der Menhir an einem seidenen Faden.

Wie schafft man schliesslich neue Bücher an, wenn nicht durch Kauf? Zum einen durch Tausch, klärt uns Dirk auf. Mit Antiquariaten liessen sich seltene Bücher aus den Beständen von doppelten Exemplaren sehr gut gegen andere begehrte Bände eintauschen. Weniger rare Exemplare seien dem Menhir durch sein über die Jahre gewachsenes Netzwerk auch oft geschenkt worden. Schliesslich reiste Dirk eines Tages mit einer etwas kühnen Idee an die Frankfurter Buchmesse: Er bot grossen Verlagen an, ihre Neuheiten im Menhir auszustellen, wenn ihm dafür kostenlos Ansichtsexemplare zur Verfügung gestellt würden. Zu seinem grossen Erstaunen willigten die meisten ein.

Ein eigentliches Konzept, eine Sicherheit, das Projekt weiterführen zu können, habe aber nie bestanden. Seit seinen Anfängen hänge der Menhir an einem seidenen Faden. Ein kreativer Umgang mit Unsicherheit und Not sei ein nicht wegzudenkender Bestandteil des ganzen Projekts. So machte denn auch kürzlich der Kapitalismus vor diesem nichtmonetären Gegenentwurf nicht ganz Halt: Das Haus an der Kramgasse 72 soll renoviert werden und die Miete des Gewölbekellers wird sich infolgedessen wohl etwa verdreifachen. Also war es an der Zeit für den Menhir, sich noch einmal neu zu verkörpern: Der Gewölbekeller wurde geleert, Tausende von Büchern umgeräumt und zusammen mit Teekrügen, Holzschemeln, goldenen Ruten und gerahmten Fotografien in das viel kleinere, unspektakulärere und entsprechend günstigere Kellergeschoss Nr. 74 transferiert. Hier ist der Menhir also seit einigen Wochen, mittwochs von neun bis neun und ansonsten auf gut Glück oder jederzeit nach Vereinbarung geöffnet.

«bibliotheca mythica»

Aus der Not entstanden ist auch die sogenannte «bibliotheca mythica», von der wir draussen auf der Kramgasse erfahren, in warme Wolldecken gehüllt, einmal mehr bei einer Tasse Tee und den letzten Sonnenstrahlen eines milden Spätwintertages. Zu unserer Gesprächsrunde gehört diesmal auch Katharina, eine ältere Frau mit schneeweissen Haaren und glasklaren blauen Augen, ihrerseits seit einigen Jahren eng verbunden mit dem Menhir. Aufmerksam und interessiert stellt sie uns Fragen und lässt uns sogleich ihre Adresse notieren, als neue bsz-Abonnentin, weil sie doch in Zukunft wissen wolle, was die Berner Studierenden so bewege.

Wir sprechen über die Verkaufstaktiken von Coop und Denner und über die Wolldeckenproduktion anarchistischer Kommunen. Nur mit Mühe besinnen wir uns des Hauptgrundes unseres Besuchs: der Frage nach der «bibliotheca mythica». Nun, auch der Umzug in den Gewölbekeller habe nicht ausgereicht, erfahren wir schliesslich: Der Menhir umfasste irgendwann schlicht zu viele Bücher, um sie an einem Ort zu lagern. Also kam die Idee auf, Bücherbestände auszulagern und auf alle zu verteilen, die Interesse daran hatten, eine Abteilung des Menhir zu hüten.

Suchen nun Menschen im Menhir nach einem ausgelagerten Buch, so werden sie in Verbindung gesetzt mit den jeweiligen Hüter*innen und können, sofern für sie in erreichbarer Distanz, an das Buch gelangen, werden dabei auf massenweise weitere Literatur desselben Themenkreises stossen und höchst wahrscheinlich in den Hüter*innen jemanden mit ähnlichen Interessen kennenlernen. So entstand nach und nach die «bibliotheca mythica», eine Art dezentrale Bibliothek, die heute nebst dem im Menhir selbst gelagerten Kernbestand von rund 50’000 Büchern eine Sammlung von etwa 500’000 Büchern umfasst.

Da ist beispielsweise die «Abteilung Rebellen», ein Anhang der Abteilung Philosophie mit einer beachtlichen Sammlung anarchistischer Literatur, die von einem Reitschul-Security gehütet wird.

Unser Gespräch wird unterbrochen von einer Passantin, einer schönen jungen Frau in japanisch anmutendem Blumenkimono, die Dirk vertraut die Hand schüttelt und sich uns als Milena vorstellt. Milena ist Tänzerin, Feuerkünstlerin und – welch schöner Zufall – Hüterin der «Abteilung Magie». Offenherzig erzählt sie uns, wie es dazu kam: Sie suchte ein Buch des französischen Okkultisten Eliphas Lévi. Im Menhir wurde sie fündig – und mit Übergabe des einen Buches wurde ihr eröffnet, dass die ganze Abteilung Magie zum Hüten zu vergeben sei. Etwas verwirrt, aber neugierig, fuhr sie also tags darauf mit dem Auto ins Emmental auf einen abgelegenen Bauernhof, um eine ganze Sammlung an Büchern abzuholen, deren Hüterin sie seither ist. Später kamen dann noch die Abteilungen Theosophie und Altägypten hinzu. Als Hüterin habe sie sehr inspirierende Begegnungen erlebt, erzählt sie weiter. Sie komme dadurch mit Menschen in Kontakt, die sich für ähnliche Themen interessieren würden wie sie selbst, die sie unter anderen Umständen jedoch nie angetroffen hätte.

So und ähnlich ging es offenbar vielen Menschen, die sich auf irgendeine Weise für einen Themenbereich des Menhirs interessierten. Da ist beispielsweise die «Abteilung Rebellen», ein Anhang der Abteilung Philosophie mit einer beachtlichen Sammlung anarchistischer Literatur, die von einem Reitschul-Security gehütet wird. Oder da ist Sybilla, beruflich Betreuerin in der Flüchtlingshilfe und Klangwirkende, die nebst der Abteilung Märchen und einer ausgewählten Sammlung zur Musiktherapie auch eine kleine «Sammlung Delfine» hütet – weil sie nun halt schon immer ein grosser Fan von Delfinen gewesen sei. Schliesslich sind da auch einige Menschen wie John aus Texas, der nach einem Besuch in der Schweiz drei Bücher zu Hütezwecken nach Übersee exportiert hat. Mehr als seinen Vornamen und eine Telefonnummer kenne man von ihm nicht. Beiläufig wird uns mit einem Augenzwinkern eröffnet, dass auch momentan noch für einige Abteilungen neue Hüter*innen gesucht würden.

Wie, so fragen wir uns, funktioniert das alles und wer behält hier den Überblick? Lächelnd zückt Dirk ein grosses Buch mit dem Titel «Die schöne Stadt Bern». Zwischen den Seiten klemmt ein A4-Blatt, auf dem von fünf farbigen Querstrichen ausgehend in mikroskopisch kleiner Handschrift eine Art Stammbaum aufgezeichnet ist. Dies, so Dirk, sei das zentrale Bibliothekssystem der «bibliotheca mythica». Zu jedem Namen auf dem Blatt klemmt dann irgendwo im Buch ein kleiner Zettel mit Name und Telefonnummer der Hüter*in. Bis auf wenige Ausnahmen funktioniere das System einwandfrei.

Von Masken und Märchen

Was ist nun genau dieses «Alte Wissen», das offenbar in überbordender Weise Büchergestell um Büchergestell zu füllen vermag? Kritische Geister mögen versucht sein, den Menhir als schrulligen Esoterik-Laden abzutun. Wer jedoch nachfragt, wird durch wissenschaftlich anmutende Ausführungen zu Menschheits- und Kulturgeschichte in diesen Vorurteilen herausgefordert. Menschen, die spirituelle Heilslehren suchen, würden im Menhir oft enttäuscht, wird uns mehrfach erklärt. Wissen und kritisches Hinterfragen ohne Tabuthemen und ohne Dogmen seien hier Programm. Auch geforscht und geschrieben wird im Menhir: So kann Interessierten beispielsweise ein über mehrere Jahre gewachsener und mittels akribischem Quellenstudium entstandener Arbeitstext über das Wort und den Begriff «Hexe» vorgelegt werden; und momentan sei ein weiterer Text zur Herkunft des Schweizerkreuzes in Bearbeitung.

Auch die Menschen, die im Menhir ein und aus gehen, lassen sich nur schwer kategorisieren. Viele haben den Ort rein zufällig entdeckt.

Alle konkreten Abteilungen der ganzen Sammlung aufzuzählen, wäre unsinnig, wird uns versichert – es seien nur schon im Kernbestand deren 48, von all den Unterabteilungen nicht zu sprechen. Wer Masken und Märchen, Königen, Tod, Traum, Schlaf, Magie, Religionsgeschichte, Symbolismus oder eben Delfinen näher auf den Grund gehen möchte, muss deshalb dem Menhir wohl einfach selber einen Besuch abstatten.

Ein Ort ohne Zeit

Auch die Menschen, die im Menhir ein und aus gehen, lassen sich nur schwer kategorisieren. Viele haben den Ort rein zufällig entdeckt; so zum Beispiel Ingo, der auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken eines Tages im Menhir landete und aus lauter Faszination für diese riesige Sammlung seiner Partnerin Barbara gleich zehn Bücher mit nach Hause brachte. Das Ärzt*innenpaar erfuhr kurz darauf von einer Veranstaltung im Menhir, die den Hype rund um Dan Brown’s «Sakrileg» behandelte, und da sie das Buch soeben in ihren Ferien gelesen hatten, nahmen sie teil.

Das war 2005 – heute sind der Psychiater und die Internistin mit Schwerpunkt Psychosomatik tragende Figuren rund um den Menhir. Aus der Veranstaltung entstand ein Gesprächsforum, das bis heute an jedem ersten Donnerstag im Monat stattfindet. Die beiden organisieren heute ausserdem selbst vereinzelte Veranstaltungen, hüten mehrere Abteilungen bei sich zu Hause, packen an, wenn es Gewölbekeller zu räumen gibt und unterstützen das Projekt auch finanziell. Von Anfang an seien sie fasziniert gewesen von diesem Ort, der jenseits von Zeit und Wirtschaftlichkeit zu funktionieren schien. Die Diskussionen und Begegnungen, die im Menhir stattfänden, seien immer anspruchsvoll, echt und oft so anregend, dass alle anderen Termine, die noch anstünden, in Vergessenheit geraten würden.

Ähnlich ging es auch Sybilla, die bei einem Stadtbummel zufällig den Menhir entdeckt hatte und später extra aus Deutschland anreiste, um die sogenannten «Rauhnächte» im Menhir zu erleben. Seit sie in der Nähe von Bern wohnt, ist auch sie eine der engen Mitwirkenden in diesem Projekt. Sie sei hier schon verschiedensten Menschen begegnet, habe persönlich extrem viel gelernt und sei überwältigt von all der Leidenschaft und Hingabe, die diesem Ort seit Jahrzehnten gewidmet würden, erzählt sie, bevor sie uns in einer unbekannten Sprache etwas vorsingt.
Es sei schlicht ein Ort, an dem die Zeit still stehe, hören wir von fast allen, die mit uns über den Menhir sprechen – und würden wir die Stunden zählen, die wir bei der Entstehung dieses Artikels teetrinkend in Gespräche vertieft verbracht haben, was wir lieber nicht tun, so müssten wir wohl zum selben Ergebnis gelangen.

bilder: lucie jakob, jana schmid

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