Ich pflege also Burnout

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Bild: Noah Pilloud.

und 21. März 2018

Die Zukunft der Schweizer Pflege ist schon seit längerer Zeit ein Politikum. Mit der «Volksinitiative für eine starke Pflege» liegt nun ein Lösungsvorschlag zur Abstimmung vor. Doch was meinen die Pflegenden zur aktuellen Situation, und wie äussert sich der Pflegenotstand in deren konkretem Alltag?
Die bärner studizytig hat nachgefragt.

«Ich habe schon Situationen erlebt, in denen so viel zu tun war, dass ich einer sterbenden Patientin drei Stunden lang nicht ins Zimmer konnte, um nach ihr zu sehen. In der Zwischenzeit war die Sonne am Untergehen und schien direkt auf das Bett der Patientin, wodurch sie enorm schwitzte. Da sie sich nicht mehr selbst helfen konnte, war ihr Mund sehr trocken. Ausserdem lag sie im Stuhlgang und hatte eventuell Schmerzen.» Diese Szene schildert uns Monika* aus Bern, sie arbeitet als diplomierte Pflegefachfrau. Solche Fälle seien zwar nicht die Regel, je nach Anzahl Personal in der Schicht kämen solche Ereignisse aber immer mal wieder vor. Dies sei vor allem der Fall, wenn wenige diplomierte Pflegefachleute eingeteilt seien und PatientInnen, die viel Zeit in Anspruch nehmen, aus Notfall und OP zurückkämen. «Es kommt auch vor, dass zu wenig Leute eingeteilt sind, um die verwirrten PatientInnen zu betreuen. Damit diese dann nicht herumlaufen und stürzen, weglaufen oder sonst etwas Gefährliches machen, gibt man ihnen Beruhigungsmittel.» Konkret habe Monika solche Situationen in den Berner Stadtspitälern, im Spital Thun sowie in Pflegeheimen erlebt. Heute arbeite sie im Inselspital, dort sei es besser. Die HF-Studentin Anita* beschreibt die Situation im Spital, in dem sie arbeitet, ähnlich stressig: «Wir haben kaum Zeit für die Patienten. Das Notwendige können wir zwar meistens erledigen, jedoch haben wir keine Zeit für wichtige Gespräche.»

Die Pflegeinitiative soll Abhilfe schaffen

In der Schweiz, wie auch in anderen Ländern, herrscht tatsächlich ein Mangel an gut ausgebildetem Pflegepersonal. Gerade die diplomierten Pflegefachleute sind gefragt, wie das obige Beispiel zeigt. Besonders schwierig ist die Situation in der Langzeitpflege, etwa in Alterspflegeheimen. Der Fachkräftemangel kann mittel- bis langfristig zum Problem werden. Ändert sich nämlich nichts an der prekären Situation, droht der Pflegenotstand: Ein Szenario, in dem die Pflege durch ausreichend ausgebildete PflegerInnen nicht mehr gewährleistet werden kann. Um das zu verhindern und die schon jetzt teils kritischen Zustände zu verbessern, hat der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) die «Volksinitiative für eine starke Pflege» lanciert. Darin fordern die Pflegenden die Anerkennung der Pflege als wichtigen Bestandteil der Gesundheitsversorgung sowie die Sicherstellung, dass genügend diplomierte Pflegefachpersonen zur Verfügung stehen. Die über 114’000 Unterschriften wurden am 7. November 2017 eingereicht.

«Ändert sich nichts an der prekären Situation, droht der Pflege­notstand.»

Um direkt mitzuerleben, wovon die InitiantInnen sprechen, wollte die bärner studizytig Pflegende in einem Alterspflegeheim während eines Tages begleiten. Dazu ist es leider nicht gekommen. Die Pflegeleitungen der angefragten Heime gaben sich zwar durchaus aufgeschlossen, jedoch lag die Entscheidungshoheit am Ende bei den Direktionen. Bei einem Pflegeheim in der Stadt Bern ist die Redaktion mit der Begründung, es seien «keine Ressourcen, um die vorgeschriebene Begleitung zu gewährleisten» vorhanden, zurückgewiesen worden. Ein weiteres Heim vertröstete uns und schlug spätere Zeitpunkte vor. Um dennoch einen Einblick in den Pflegealltag zu gewinnen, stellte die studizytig zwei diplomierten Pflegefachfrauen und zwei Studentinnen in Ausbildung zur diplomierten Pflegefachfrau HF Fragen zu ihrem Berufsalltag sowie zu Pflegenotstand und Fachkräftemangel.

Pause vs. Überzeit

Der durchschnittliche Tag beginnt für die Pflegenden mit dem Einlesen. Sie informieren sich, welche Patienten sie an diesem Tag betreuen und was dabei zu beachten ist. Dies kann schon mal zeitraubend sein, so schreibt Monika: «Ich komme um 06:40 Uhr auf die Abteilung (die Arbeitszeit wird erst ab 07:00 berechnet), sonst reicht mir die Zeit nicht, um mich richtig einzulesen.» Danach unterschiedet sich die Tätigkeit der diplomierten Pflegefachleute von jener der Fachangestellten Gesundheit: Während erstere hauptsächlich mit dem Organisieren und Koordinieren sowie der Betreuung von Lernenden und Studierenden beschäftigt sind, führen die FaGes vor allem die Tätigkeiten, die direkt mit den PatientInnen zu tun haben, aus. Das heisst, sie sind um die Verteilung der Mahlzeiten und Medikamente sowie um das Verlegen der PatientInnen besorgt. Diese Tätigkeiten werden je nach Verfügbarkeit auch von den diplomierten Pflegefachleuten ausgeführt. Am Nachmittag wiederholt sich das Ganze meist: Mahlzeiten, Medikamente, Verlegung in oder aus dem OP, Betreuung des Aufwachraums.

«Zurzeit kann ich nicht dahinter stehen, wie ich arbeiten muss. Ich habe sehr grossen Respekt davor, dass auf diese Weise schwer­wiegende Fehler passieren können.»

«Im Altersheim ist es anders, dort müssen am Morgen alle aufstehen und die Körperpflege wird durchgeführt, danach gibt man ihnen das Essen, einigen muss man helfen. Das meiste dreht sich um die Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Zvieri, Znacht» sagt Jenny*. Sie ist diplomierte Pflegefachfrau HF in Ausbildung und arbeitet in einem Spital und einem Pflegeheim. Was aber überall gleich sei: die Pausen. Meist seien diese nicht fix, jedeR mache dann Pause, wenn es gerade passt. Oft – gerade am Nachmittag oder im Spätdienst – werden sie aus Zeitmangel ganz ausgelassen, wie folgende Statements von Beatrice*, einer diplomierten Pflegefachfrau des Regionalspitals Burg-dorf, zeigen:

«Am Nachmittag ist noch einmal eine Pause von 15 Minuten vorgesehen. Meistens muss ich mich entscheiden, ob ich diese machen will, oder ob ich lieber weniger Überzeit machen will. Meistens entscheide ich mich für das zweite.»

«Im Spätdienst kann ich als Dipl. Pflegefachfrau bis zu elf PatientInnen haben. Es bleibt sehr wenig Zeit für einzelne PatientInnen. Pause ist meist auch ein Fremdwort. Meist essen wir alle, wenn wir gerade fünf Minuten Zeit haben, etwas auf der Abteilung. Aber richtig Pause können wir nicht machen.»

Trotz nicht genutzter Pausen sind Überstunden an der Tagesordnung:

«16:21 Theoretisch Feierabend, ich muss aber noch mit der Schülerin den Tag besprechen oder anderes Dringendes bei PatientInnen machen. Normalerweise gehe ich um ca. 17:00 Uhr von der Abteilung, ausser, es kommt noch etwas dazwischen. Dann blieb ich schon mehrfach bis zu 
3 Stunden länger.» – Monika

«Im Frühdienst bleibe ich im Durchschnitt ca. 30 Minuten länger. Im Spätdienst und in der Nacht ca. 30–60 Minuten.» – Beatrice

«Es ist fast nie möglich, pünktlich zu gehen.» – Anita

Der Pflegenotstand – ein strukturelles Problem?

Es scheint klar: Es gibt zu wenig Pflegepersonal, deshalb kommt es zu den oben beschriebenen Zuständen. Eine Studie des marktwirtschaftlich ausgerichteten Thinktanks Avenir Suisse aus dem Jahr 2016 widerspricht der landläufigen Annahme, der Fachkräftemangel sei die Ursache der heiklen Situation, in der sich die Pflege in der Schweiz befindet. Ihr zufolge verfügen wir hierzulande im Vergleich mit den anderen OECD-Ländern über die höchste Dichte an Pflegepersonal pro Kopf: 17,4 Pflegefachpersonen auf 1000 EinwohnerInnen. Das Problem sei also nicht das Angebot, sondern die Nachfrage. Dies sei vor allem dem dezentralisierten System der Schweiz geschuldet. Konkret heisst das, die Schweiz bräuchte weniger, dafür grössere Spitäler und Heime. Zudem würden viele Ressourcen zu wenig ausgelastet. Was die Studie bei all der Statistik- und Zahlenzitiererei jedoch verschweigt, ist die Ausstiegsquote aus den Pflegeberufen. Berechnungen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums OBSAN auf Grundlage der Strukturerhebung zum Pflegepersonal zeigen: 46% der Pflegefachleute sind im Jahr 2013 aus ihrem Beruf ausgetreten. Knapp die Hälfte davon hat den Beruf ganz gewechselt, ein weiterer Drittel ist überhaupt nicht mehr erwerbstätig. Der kleinste Anteil der Berufsaustritte bilden die Branchenwechsel, also Pflegefachleute, die ausserhalb des Gesundheitssektors weiterhin als solche arbeiten. Leider gibt es keine Zahlen zum Wiedereinstig in die Pflegeberufe, doch auch ohne diese stimmt die Ausstiegsquote nachdenklich.

«Das Notwendige können wir zwar meistens erledigen, jedoch haben wir keine Zeit für wichtige Gespräche.»

Hohe Belastung und gefährliche Pflege

Auch drei der von uns befragten Pflegerinnen sehen ihre Zukunft mittelfristig nicht mehr in der Pflege. «Ich sehe mich höchstens noch ca. fünf Jahre in der Pflege, aber länger nicht», schreiben die beiden jungen HF-Studentinnen Anita und Jenny. Auch Beatrice kann sich nicht vorstellen, noch lange in der Pflege zu arbeiten: «In diesem Jahr bleibe ich noch in der Pflege, jedoch suche ich schon Weiterbildungsmöglichkeiten ausserhalb des Pflegeberufes.» Sie hat 2011 mit der Lehre als FaGe begonnen und sich anschliessend zur diplomierten Pflegefachfrau weitergebildet. «Nun bin ich seit eineinhalb Jahren diplomierte Pflegefachfrau und kann mir bereits nicht mehr vorstellen, noch Jahre auf diesem Beruf zu arbeiten», bemerkt sie. Einzig Monika will ihrem Beruf treu bleiben. «Weil ich es für die PatientInnen mache und es ein vielseitiger, befriedigender Beruf ist. Wenn ich aber noch in einem Spital wäre, in dem die Verhältnisse so schlecht sind, dass es für die Patient-Innen gefährlich ist, dann würde ich den Arbeitsplatz wechseln.» Gerade die Art der Pflege, die oft nicht dem entspricht, was die Pflegenden unter guter Pflege verstehen, wird als Hauptgrund für einen Berufsausstieg genannt. «Leider hat man viel zu oft bei den PatientInnen nur Zeit für das Nötigste und Wichtigste, so dass die psychosoziale Ebene zu kurz kommt». Die sei jedoch wichtig, da sich eine gute psychische Verfassung auch positiv auf den Heilungsprozess auswirkt, meint Jenny. Auch im Alterspflegeheim entspreche ihre Tätigkeit oft nicht dem Ideal: «Zeit für Unterhaltungen oder Beschäftigung hat man als Pflegepersonal dort kaum, deshalb werden oft freiwillige Helfer angefragt.» Zu der unbefriedigenden Pflege kommt ein hoher Druck und viel Stress: «Man arbeitet so lange, bis man erschöpft ist und krank ausfällt. Diese Krankheitsausfälle kann man dann nicht decken und so machen andere Mitarbeitende Doppelschichten und arbeiten so lange, bis es denen nicht mehr gut geht und sie ausfallen.» Das hohe Stresslevel, sowie die unzureichende Pflege führe dazu, dass sie die Sicherheit zum Teil nicht mehr garantieren könne, meint Beatrice. «Zurzeit kann ich nicht dahinter stehen, wie ich arbeiten muss. Ich habe sehr grossen Respekt davor, dass auf diese Weise schwerwiegende Fehler passieren können.» Es sei unbefriedigend, den PatientInnen nicht gerecht werden zu können und nur gefährliche Pflege zu bieten, meint auch die diplomierte Pflegefachfrau des Inselspitals.

Letztlich spielt auch der Lohn eine Rolle in der Entscheidung vieler, dem Pflegebetrieb den Rücken zu kehren. «Wir werden sehr schlecht bezahlt, obwohl wir sehr viel Verantwortung haben» meint etwa Anita.

Die Pflege im Teufelskreis

Das Ganze scheint eine negative Eigendynamik zu entwickeln: Es mangelt an gut ausgebildetem Pflegepersonal, weshalb die vorhandenen Pflegenden unter hohem Druck stehen, grosse Risiken eingehen müssen und dafür auch noch schlecht bezahlt werden. Dies führt wiederum dazu, dass viele aussteigen, was den Fachkräftemangel noch mehr verstärkt. Dieser jedoch, da sind sich alle befragten Pflegenden einig, ist nicht der alleinige Grund für die prekäre Situation in Spitälern und Heimen. Auch die Kostensenkungen und Sparmassnahmen in ebenjenen Institutionen fallen ins Gewicht.

Das Problem ist komplex und Lösungsvorschläge gibt es viele. Eines zeigen die Antworten der Pflegenden auf unsere Fragen aber eindeutig: Die Pflegeberufe brauchen mehr Anerkennung und Unterstützung. Zurzeit werden junge Pflegende, die sich ihrer Arbeit gerne und mit voller Hingabe pflegebedürftigen Menschen widmen, regelrecht verheizt. Jenny bringt den Gefühlszustand vieler Pflegender treffend auf den Punkt: «Die Arbeit mit Menschen ist zwar schön, aber sobald man den Tag beginnt, ist man schon im Stress. Meistens macht man Überstunden und am Abend zu Hause kann man auch nicht wirklich abschalten.» *Namen geändert


 

Die Uhr steht auf fünf vor zwölf
von Lukas Siegfried

Die Bedeutung der Pflege wird unterschätzt. Weil im sozialen Bereich generell hoher Spardruck herrscht, findet ein Verdrängungseffekt statt, unter dem die Spitäler und Altersheime zusätzlich leiden. Im öffentlichen Bewusstsein fristet der Pflegenotstand ein Schattendasein – das muss sich dringend ändern. Pflegefachpersonen stehen unter aussergewöhnlichem Druck und werden dafür nur ungenügend entlöhnt. Es verwundert nicht, kehren viele Ausgebildete dem Beruf nach wenigen Jahren den Rücken zu, und es sollte demnach auch nicht erstaunen, dass der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften in der Schweiz nicht gedeckt werden kann. Zusätzliche Pflegefachleute aus dem Ausland einzustellen, ist für den hiesigen Gesundheitssektor also unumgänglich. Allerdings ist der Pflegepersonalmangel ein globales Phänomen. Nach Informationen des SBK werden bis 2030 neun Millionen Pfleger­Innen fehlen, internationale Organisationen (darunter die WHO) haben deswegen die Kampagne «Nursing Now» lanciert. Es braucht weltweit mehr Menschen, die sich für den Pflegeberuf interessieren und, das ist entscheidend, nach abgeschlossener Ausbildung auch in der Branche bleiben.
Politische Lösungen tun Not und dabei ist erst einmal wichtig, dass grosse Spitäler in öffentlichen Besitz bleiben. Sonst droht die Gefahr noch grösserer Sparrunden und schlechterem ArbeitnehmerInnenschutz, der Pflegeberuf würde noch unattraktiver. Notwendig ist aber das genaue Gegenteil. Ende November kam die «Volksinitiative für eine starke Pflege» zustande; sie fordert die Anerkennung und Förderung der Pflege als wichtigen Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Dadurch bietet sich die Gelegenheit zu einem Diskurs in der breiten Öffentlichkeit – einen solchen braucht die Pflege dringend. Auch, weil in Zukunft der Bedarf weiter steigen wird.

 

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Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Anonym
27. März 2018 13:33

Alles was im Artikel beschrieben ist kann ich zu 100% unterstützen. Oft bleibt keine Zeit sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern. Alles wobei es nicht um Leben und Tod geht, wird verschoben, an Hilfspersonal abgegeben oder geht aus Überbelastung vergessen. Jeden Tag beginne ich um 6:30 Uhr obwohl ich erst ab 07:00 Uhr bezahlt werde. Ich muss bis punkt 09:00 fertig sein mit der ersten Rude weil ich dann ca. 2h auf der Visite stehen soll um das Procedere zu besprechen. Die Zeit reicht vorne und hinten nicht. Lernende und Studierende sind „billige“ Hilfskräfte weil keine Zeit zum… Zeig mir mehr! »

silvana
4. April 2018 22:00

Pflegende müssen dringend lernen, sich differenzierter zu diesen Problemen zu äussern. Aussagen wie „ich habe keine Zeit für Gespräche“ interessieren Ökonomen einen Dreck. Die denken sich dann, “Na und, die Kassiererin in der Migros hat auch keine Zeit für Gespräche und macht ihre Arbeit trotzdem recht“. Ausserdem denkt sich jeder, dass es zum Händchen halten keine Fachfrau mit HF braucht. Wir müssen lernen unsere Arbeit sichtbar zu machen und konkrete Auswirkungen vom Personalmangel zu zeigen. Zum Bsp dass Pat deutlich weniger oft mobilisiert werden, wenn das Personal knapp ist und daraus alle bekannten Komplikationen resultieren (Pneumonie, Dekubitus..) die mit entsprechenden… Zeig mir mehr! »

Äni
13. April 2018 6:48

Sehr gut geschrieben! Habe bis jetzt noch nie so darüber nachgedacht. Finde es aber ein sehr wichtiger Punkt! 👍🏼

Martina
13. April 2018 13:58

Ich stimme dir voll und ganz zu. Dazu kommt jedoch auch noch, dass die Pflegeforschung einen grösseren Bestandteil einnehmen müsste. Es gibt kaum Studien oder auswertbare Daten, welche mit den von dir genannten Punkten und der Pflege im Zusammenhang stehen. Jedoch wird die Pflegeforschung von vielen aus der Pflege als unnötig oder unwichtig hingestellt. Es wird nicht erkannt, dass das die Sprache ist, welche die Ökonomen/Politiker sprechen. Weiter sollte das Pflegepersonal das Kostenlose arbeiten stoppen, denn die 30 Minuten welche am Morgen kostenlos gearbeitet werden oder die Pausen welche gestrichen werden, tauchen in keiner einzigen Statistik auf. Würde das Pflegepersonal… Zeig mir mehr! »

Steve
30. März 2018 7:12

Sehr guter Bericht bis auf die Tatsache, dass fast überall zu wenig Personal aufgrund des Kostendruck für die Institutionen vorhanden ist. Obwohl ein Pflegeplatz so viel kostet, sind die meisten Abteilungen unterdotiert mit Personal. Zu der ganzen Misere kommt der administrative Wahnsinn mit den Einstuffungsprogrammen dazu, welche unverhältnissmässig Zeitaufwand generieren unt Total an der Realität vorbei schlittern. Whnsinn und Erbsenzählerprozesses welche nur Geld kosten und nichts bringen!

Ex-pflefachfrau-aus-leidenschaft
3. April 2018 23:59

Ich kann die beschriebenen Zustände leider ebenfalls nur bestätigen. Arbeitsbeginn um 6.30 – freiwillig und unbezahlt, einfach weil ich es sonst nicht durch den Tag schaffe. Überzeiten sind Routine. Einspringen, Flexibilität zeigen im Schichtwechsel sowieso. Was in dem Artikel nicht erwähnt sind, sind Dinge, die unser Beruf ja bereits mit sich bringen: Schichtarbeit, körperliche Belastung, seelische Belastung, Stress-/Notsituationen, sexuelle Belästigung sowie die Tatsache, dass wir an der Hälfte aller Feiertage klaglos arbeiten. Weiss eben dazu gehört. Abgesehen von 5-6 SFR Schichtzulagen nachts bekommen wir ja dafür nichts. Kumulativ sind es einfach zu viele Faktoren geworden, die unseren Beruf langfristig massiv… Zeig mir mehr! »

Miri
4. April 2018 17:36

Genau so ist es leider….

Anonym
22. April 2018 21:47

Wäre schön wenn sich die Schweiz an Deutschland orientiert als absolutes negativ Beispiel. Es ist für mich kaum zu verstehen wieso man die selben Fehler macht wie in Deutschland. Vergleichbar mit einem Autofahrer der 500m vor mir gegen eine Wand fährt. Jeder normale Mensch würde dahinter dann Bremsen und den Kurs wechseln. Wieso nicht auch hier beim Pflegenotstand der kommen wird. Ich möchte nie mehr so arbeiten müssen wie in Deutschland und ich mache diesen Beruf jetzt 13jahre sehr gerne. Leider sind auch Männliche Fachkräfte sowie ich immer seltener.

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