Editorial #11

Illustration Editorial

Illustration: Tobias Bolliger, www.tobiasbolliger.ch

21. März 2018

Liebe Freundinnen und Freunde kabelloser Micro-Staubsauger

Der Journalismus ist in Bedrängnis. In der Türkei bringen Regierungschefs Medienschaffende ins Gefängnis, in der Slowakei und Malta um die Ecke. Hohe Beamte spucken bettelnden Schreiberlingen beim Vorbeigehen in den Pappbecher und spenden das Geld, das sie noch vor ein paar Monaten in ein Zeitungsabo gesteckt hätten, einer Partei von Superreichen und Glatzköpfen. Selbst Bundesräte verwehren mittlerweile eingeschnappt namhaften Nachrichtenagenturen auf offener Strasse ihre Unterstützung, während Männer in spitzen Schuhen deren Finanzen sanieren und langjährige Angestellte mit einem feuchtwarmen Händedruck in die Frühpension schicken. Derweil haben sich zweifelhafte Chefredaktoren, die ihre journalistische Neutralität schon vor Jahren an der Bundeshausgarderobe abgegeben haben, längst ein Kondensatormikrofon bei Amazon bestellt und streamen täglich ihre alternativen Fakten ins Netz.

In diesem Editorial können wir deshalb nicht wie üblich Optimismus für ganze Legislaturperioden versprühen, sondern müssen eingestehen, dass auch wir keine wirksame und burleske Lösung präsentieren können. Stattdessen legen wir selber Hand an – schliesslich rettet sich der Journalismus nicht von alleine. Wir trumpfen in dieser Ausgabe mit Texten auf, die das Geschlechterdenken aufspalten und wie Heroin euphorisierend durch die Adern schiessen. Wir berichten von gefährlicher Pflege und kranken Schwestern, von Frauen und Männern, die ihre Staubsauger lieben wie andere das Geld. Dazu begleitet die Münsterpfarrerin Esther Schläpfer das journalistische Getöse mit biblischem Geflüster. Wie ihr unschwer erkennen könnt, haltet ihr wieder eine komplett unausgewogene, perfekt geeichte Ausgabe in den Händen.

In diesem Sinne: Forget about labels!

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